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Kreistag: Nur Linke und drei Sozialdemokraten für Rettung der Ermstalklinik

Thomas Zieglers Redebeitrag im Kreistag 17.12.2020
RKH „Medizinkonzept 2025“

Sehr geehrte Damen und Herren,

wo wird uns verlässlicher Auskunft erteilt als auf der Website des Landkreises Reutlingen?
„Das Haus der Grundversorgung verfügt über 171 Betten, aufgeteilt in:

– Unfallchirurgischer Abteilung
– Innere Abteilung
– Zentrum für Altersmedizin
– (…)
– Anästhesieabteilung
– Neurologische Frührehabilitation Phase B“
Sie haben es bereits erraten:
vorgestellt wird unsere Bad Uracher Ermstalklinik.
Weitere Auszüge:
• „Anfänge (…) liegen in dem 1907 durch die damalige Oberamtsstadt Urach errichteten Bezirkskrankenhaus mit 50 Betten, das 1926 aufgrund des schnell wachsenden Bedarfs auf 100 Betten erweitert wurde (…)
• weiterer Anbau für 60 Betten (…) 1961 (…)
• Neubau (…) 1985 mit 190 Betten in Betrieb genommen und erfüllt seither in bester Weise in allen Bereichen die Anforderungen an dieses Haus.
• 2010 Bau der Altersmedizin (…) Einweihung im März 2011.“
Und wir sollen den Abgang dieses, wie beworben, erst vor 35 Jahren mit einem vollständigen Neubau ausgestatteten sowie erst vor neun Jahren um einen Bau für die Altersmedizin erweiterten, das Abwürgen dieses ebenso bewährten wie beliebten Krankenhauses sollen wir Kreisräte heute beschließen! Geht’s noch?
Schon die Reutlinger Klinik am Steinenberg kann durchaus gelegentlich nicht mehr sämtliche Patienten in ihren Krankenzimmern unterbringen. Gerade ein starkes halbes Jahr ist es her, dass das Uniklinikum Tübingen beruhigend darauf verweisen durfte, für den Fall Corona-bedingt absehbarer Engpässe dort habe Gott sei Dank eine Verlegung von Patienten mit unserer Uracher Ermstalklinik dorthin vereinbart werden können.
Bereits aus den durch die RKH-Geschäftsführung selbst eingeholten und Ihnen heute vorliegenden Erhebungen „Ausgangslage und Ausblick“, dort Seiten 3 und 4, erschließt sich – ich zitiere: „Klinikum am Steinenberg“: „mit rückläufigen Leistungszahlen“, genauer: zuletzt von 2018 auf 2019 „Casemix“ -2,8%, „Fälle“ – 3,8%; dagegen „Bad Urach und Münsingen“: „mit steigenden Leistungszahlen“, bezogen auf Bad Urach: zuletzt von 2018 auf 2019 Steigerung der „Fälle“ um 5,2%, für den „Casemix“ sogar um + 11,8%!
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Kreishaushalt: Linke gegen Privatisierung

Haushaltsrede Fraktion DIE LINKE 16.12.2020 – Petra Braun-Seitz

Sehr geehrter Herr Landrat Reumann,

liebe Kolleginnen und Kollegen im Kreistag,

sehr geehrte Damen und Herren,

ein außergewöhnliches Jahr geht zu Ende. An den Anfang meiner Rede möchte ich deshalb den Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen des Landratsamts und ganz besonders an die des Gesundheitsamts stellen. Unsere Familie war mit dem Coronavirus infiziert, da konnten wir feststellen, wie engagagiert die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts ihre Aufgabe erledigen! In dieser für Corona Patienten schwierigen Situation tat es gut, wenn nicht nur Symptome abgefragt wurden, sondern auch menschlich einfühlsam regiert wurde.

Das Jahr war deswegen auch außergewöhnlich, weil mit der Vergabe des Managements der Kreiskliniken eine wichtige Aufgabe aus den Händen gegeben wurde. Es zeigt sich, dass damit, wie von der Linken befürchtet, ein Privatisierungsprozess eingeleitet wurde. Nach wie vor sind wir der Meinung, dass die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung eine Aufgabe der kommunalen Daseinsfürsorge ist. Ein Krankenhaus soll gesund machen und soll sich nicht in erster Linie rechnen. Die Corona Krise hat uns vor Augen geführt, wie wichtig ein gut funktionierendes Gesundheitssystem ist – und da sollen bestehende, gut funktionierende Strukturen aufgegeben werden? Und das in einem Hauruckverfahren, ohne im Kreistag, mit den Beschäftigten der Ermstalklinik und der Bevölkerung von Bad Urach und Umgebung breit zu diskutieren und Alternativen zu erörtern?

Was auch nicht jedes Jahr vorkommt, ist der Neubau eines Landratsamtes. Sosehr wir befürworten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zentral ihre Arbeit erledigen können und nicht mehr kreuz und quer durch die Oststadt laufen müssen, können wir mit der Erstellung des Gebäudes durch einen privaten Unternehmer und der dann folgenden dauerhaften Anmietung nicht mitgehen. Die nicht mehr benötigten Immobilien sollen verkauft werden. Die Erlöse wären jedoch nach grob 10 Jahren für die Mieten aufgezehrt.

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Reumann als Totengräber des Bad Uracher Hauses?

Ermstalklinik steht vor endgültigem Aus jeglicher stationären Behandlung!

Die durch die neue Geschäftsführung der Kreiskliniken zuletzt an den Tag gelegte Hast, so die Fraktion DIE LINKE im Reutlinger Kreistag, hatte wohlweislich Gründe: Nur wenige Stunden nach Abschluss der nichtöffentlichen Vorberatung des Kreistags stellte Landrat Reumann den Medien gemeinsam mit den jetzigen Geschäftsführern aus der RKH-Holding eilends deren neues „Medizinkonzept 2025“ vor.

Jenes Konzept wird für den bisherigen Bad Uracher Klinikbetrieb allein noch übrig lassen eine Notaufnahme, ein „Ärztehaus“ samt ambulantem Operieren sowie „Integrative Medizin“ nebst einem „Telemedizinzentrum“. Sämtliche bisher noch vorhandenen stationären, also bettenführende Abteilungen sollen dagegen nach Reutlingen abgezogen oder vollständig geschlossen werden – sogar die bisher für Bad Urach noch favorisierte Geriatrie (Altersmedizin)! Als einzigen „Zuwachs“ darf die künftige Einrichtung auf eine „Rehabilitative Kurzzeitpflege“ hoffen – und damit auf allenfalls die einer Klinikbehandlung lediglich nachsorgende Disziplin.

Diese Planungen, so die Linken-Räte Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler, bedeuten das definitive Ende jener Uracher Einrichtung als ein Krankenhaus. Ohne künftig jegliche Möglichkeit einer stationären Behandlung komme diese verdiente Klinik dann herunter auf ein durch die RKH schönredend als Bad Uracher „Gesundheitscampus“ bezeichnetes Medizinisches Versorgungszentrum.

Die entsprechende bisherige Beschlussfassung der Kreistagsgremien dazu sei zwar leider mehrheitlich getroffen worden – jedoch keinesfalls ohne mehrfache Gegenstimmen!

Die LINKEN bleiben als bislang einzige Kreistagsfraktion bei ihrer schon anlässlich der Privatisierung des Managements im vergangenen März standhaft eingenommenen ebenso offenlegenden wie im Ergebnis zurückweisenden Haltung der neuen Geschäftsführung gegenüber –

und dies insbesondere jetzt erneut zu deren von Prof. Martin samt dem Landrat verfolgten Absichten für das endgültige Schließen jeglichen Bad Uracher Krankenhausbetriebes.

Im Nachhinein bestätigten sich die frühen Einwände der Linken geradezu: Um Reumann sowie etlichen Kreisräten zu ersparen, sich die Hände hierfür selbst schmutzig zu machen, durfte das Beauftragen einer privaten Geschäftsführung dazu gerade recht kommen.

Nicht zuletzt mit Blick auf die knapp 400 hochengagierten Beschäftigten sowie eine über 113-jährige Tradition des Uracher Hauses samt ihren dankbaren Patienten aus weitem Umkreis fordern die LINKEN spätestens jetzt gleichfalls die Solidarität der anderen Kreistagsfraktionen mit unserer Ermstalklinik ein.

Die für das Bad Uracher Haus endgültige Entscheidung fällt in der diesjährigen Schlusssitzung des Kreistags am Mittwoch kommender Woche. Die Tatsache, dass der Landrat dieses rabiate „Medizinkonzept“ gerade einmal zehn Tage vor dieser finalen Beschlussfassung hat öffentlich werden lassen werfe, so die Räte der Linken, einmal mehr ein bezeichnendes Licht auf dessen Verständnis von „Transparenz“ und „Bürgerbeteiligung“. Eine Bürgerbeteiligung, die diese Bezeichnung wirklich verdiene, setze dagegen zu einem Zeitpunkt ein, zu dem tatsächlich noch verschiedene Zukunftsoptionen offenstehen würden.

Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler

Sprecher Fraktion DIE LINKE im
Kreistag des Landkreises Reutlingen

Neubau Landratsamt – verhökert der Landkreis sein Immobilienvermögen?

Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler

In den vergangenen Tagen sind durch Landrat Reumann die Pläne für den Neubau eines Landratsamtes vorgestellt worden.

Die Fraktion DIE LINKE begrüßt grundsätzlich die längst notwendige Zusammenfassung der bisher auf ca. 20 Gebäude verstreuten Kreisverwaltung sowie ebenso den dafür vorgesehenen zugangsfreundlichen Standort auf dem Reutlinger früheren Max-Moritz-Areal.

Höchsten Bedenken begegnen aber die jüngsten Vorstellungen des Landrats zur Finanzierung dieses Projekts: „Wir bauen nicht selbst.“ Ob gekauft oder gemietet werde, sei „noch offen“.

Tatsache ist, dass von vornherein kein eigenes Landratsamt mehr in Betracht gezogen werden sollte. „Erst auf unser Betreiben hin sind in letzter Minute in die Wettbewerbsausschreibung außer Miete ergänzend zudem die Optionen Kauf oder Mietkauf einbezogen worden“, so die Linken-Kreisräte Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler. Außerdem gehe der Verweis von Landrat Reumann, der Kreistag werde darüber im Februar kommenden Jahres eine Entscheidung treffen, an den Realitäten vorbei: Der Landkreis, so die Linken-Räte, verfüge nämlich bislang über keinen Cent Haushaltsmittel oder gar notwendige Rückstellungen für eine Kaufoption.

Somit würde der Landkreis darauf angewiesen sein, die künftige Miete für sämtliche Räume der Kreisverwaltung zu finanzieren allein aus den Erlösen seines derzeitigen Immobilieneigentums, insbesondere seiner Verwaltungsgebäude in der Reutlinger Oststadt einschließlich des historischen Landratsamtes. Diese Immobilien-Erlöse, so die Linken, wären durch die künftige Miete dann aber nach etwa zehn Jahren aufgebraucht – jenes bisherige Landkreisvermögen somit dann also restlos in die Hände des Neubau-Investors übergegangen. Anschließende Mietzahlungen fielen dann ausnahmslos der Kreiskasse und somit letztlich über die Kreisumlage künftig den hiesigen Gemeinden zur Last.

Hinzu kommt, dass auf zukünftige – etwa energetische – Weiterentwicklungen und Ausgestaltungen des Gebäudes der Landkreis als lediglich Mieter über nur noch äußerst beschränkte Einflussnahme verfügen würde.

„Welcher Private gibt sein Haus her, welcher Bürgermeister verkauft das Rathaus, nur um sich anderswo einzumieten? Zumal bei den derzeitigen Zinsbedingungen!“, geben die beiden Kreisräte den weiteren Beratungen des Kreistags mit.

Die Reutlinger Linken wollen sich jedenfalls energisch dafür einsetzen, dass das öffentliche Immobilien-Vermögen des Landkreises nicht etwa in den Taschen von Baulöwen verschwindet, sondern vielmehr den Kreiseinwohnern und Beschäftigten des Landratsamtes auch künftig erhalten bleiben wird.

Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler

Sprecher Fraktion DIE LINKE im
Kreistag des Landkreises Reutlingen

Gisela Sämann schreibt im GEA-online am 28.11.2020: >>>

Schwäbisches Tagblatt 27.11.2020:
Der Landrat versteht die Linken nicht

Die Kreistagsfraktion der Linken äußert „höchste Bedenken“ zur Finanzierung des geplanten Landratsamts-Neubaus.

Sie stören sich vor allem an der Aussage von Landrat Thomas Reumann, es sei noch offen, ob das neue Gebäude auf dem Areal des ehemaligen Autohauses Max Moritz gekauft oder gemietet werde. „Tatsache ist, dass von vornherein kein eigenes Landratsamt mehr in Betracht gezogen werden sollte. Erst auf unser Betreiben hin sind in letzter Minute in die Wettbewerbsausschreibung außer Miete ergänzend zudem die Optionen Kauf oder Mietkauf einbezogen worden“, schreiben die Linken-Kreisräte Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler.

Zudem gehe der Verweis von Reumann, der Kreistag werde darüber im Februar 2021 eine Entscheidung treffen, an den Realitäten vorbei: Denn der Landkreis verfüge bislang über keinen Cent Haushaltsmittel oder gar notwendige Rückstellungen für eine Kaufoption. Somit wäre der Kreis darauf angewiesen, die künftige Miete für alle Räume seiner Verwaltung nur aus den Erlösen seines Immobilieneigentums, vor allem seiner Gebäude in der Oststadt einschließlich des historischen Landratsamts, zu finanzieren. Diese Immobilien-Erlöse, so die Linken, wären durch die Miete aber nach etwa zehn Jahren aufgebraucht – und damit gehe dann das Landkreisvermögen restlos in die Hände des Neubau-Investors („Baulöwe“) über.

Er könne diese Ausführungen nicht nachvollziehen, sagte Reumann dazu auf TAGBLATT-Nachfrage. „Wir setzen jetzt genau das um, was der Kreistag beschlossen hat. Weil wir kein eigenes Grundstück gefunden haben, wurde das Ausschreibeverfahren gestartet.“ Es würden sehr wohl für die beiden Optionen Kauf oder Miete Angebote erstellt, „darüber entscheidet dann der Kreistag“.

4,8 % Lohnerhöhung für die Beschäftigten im TVÖD – Klatschen reicht nicht!

Wir haben als Linke Liste einen Antrag eingebracht, mit dem der Gemeinderat aufgefordert wird, die Forderungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu unterstützen, die in der Pandemie zusätzlichen Belastungen und Risiken ausgesetzt waren und sind.

Klatschen reicht nicht!
Unser Antrag: GR-Antrag Linke Liste TVÖD

Kommunen müssen trotz Corona handlungsfähig bleiben

Zu der Meldung über ein Anwachsen des Investitionsstaus in den Kommunen sagt Katja Kipping, Vorsitzende der Partei DIE LINKE:
Angesichts des Investitionsrückstaus von 147 Milliarden Euro drohen die Maßnahmen des Bundes zu einem Tropfen auf dem heißen Stein zu werden. Bund und Länder müssen absichern, dass die Kommunen auch in Corona-Zeiten ihren Aufgaben nachkommen können.

Die aktuellen Corona-Lasten müssen voll gegenfinanziert werden. Die Zins- und Tilgungsverpflichtungen überschuldeter Kommunen müssen vorübergehend vom Bund übernommen werden. Zudem brauchen wir einen Altschuldenfond, der hoch verschuldeten Kommunen einen Neustart ermöglicht. Damit gewinnen wir Zeit, um die Finanzierung der Städte und Gemeinden langfristig auf gesunde Füße zu stellen.

Die Corona Krise trifft gerade die Kommunen besonders hart, die schon vor der Krise in finanzieller Schieflage waren. Diese drohen in der Corona Krise handlungsunfähig zu werden. In den Jahren vor der Krise ging die Schere zwischen armen und reichen Städten und Kreisen immer weiter auseinander. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind viele Kommunen in bedrohlicher Schieflage. Hier muss zielgenau geholfen werden.

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Rettungsschirm für Kommunen

Am 21. April 2020 hat die Bundestagsfraktion der Partei DIE LINKE den Antrag „Schutzschirm für die Kommunen in der Coronakrise“ eingebracht. >>>
Dieser Antrag bekommt nun Rückenwind.

Gemeinsame Erklärung des Städetags und der Gewerkschaft ver.di
Berlin, 28. Mai 2020

Rettungsschirm für Kommunen – Zukunft in Stadt und Land gestalten
Ob Altenpflege, Beratung, Feuerwehr, Gesundheitsschutz oder Kinderbetreuung: Wie durch ein Brennglas erkennen wir unter den Bedingungen der Corona-Pandemie, dass die Angebote und Dienstleistungen der Städte und Gemeinden unverzichtbar für unsere Gesellschaft sind.
Die Kommunen stemmen den Alltag unter Bedingungen von Covid-19. Dabei geraten sie zunehmend unter Druck, denn die Ausgaben steigen, und die Einnahmen brechen weg. Allein die jüngste Steuerschätzung prognostiziert ein Gewerbesteuer-Minus in Höhe von 11,8 Milliarden Euro. Und je länger die Krise andauert, desto höher werden die finanziellen Belastungen für die Kommunen.
„Die Kommunen sind wie zuletzt bei der Bewältigung der Corona-Pandemie für die Bürgerinnen und Bürger da. Sie tragen die Verantwortung für die Bewältigung der Krise, haben zusätzliche Kosten und gleichzeitig Einnahmeausfälle zu verkraften. Wichtig ist, dass Städte und Gemeinden gerade in der jetzigen Situation handlungsfähig bleiben“, sagten Erster Bürgermeister Dr. Uwe Brandl, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) und Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des DStGB.
„Der öffentliche Dienst hält dieses Land zusammen. Deswegen setzen wir uns nachdrücklich für einen Rettungsschirm für die Kommunen einschließlich einer Tilgung von Altschulden ein. Auch die Bundesländer müssen ihren Beitrag leisten, die Finanzkrise von den Kommunen abzuwenden und den Solidarpakt ihrerseits unterstützen. In einem gemeinsamen Brief haben sich die in ver.di organisierten Personalräte der Kommunen diese Woche an die Finanz- und Innenminister*innen der Länder gewandt und einen Rettungsschirm für Kommunen gefordert und um Unterstützung des Solidarpakts 2020 gebeten“, erklärte Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

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Kein Steg, aber ein sicherer ebenerdiger Übergang

RÜDIGER WECKMANN

Am 19.05.2020 beschloss der Gemeinderat auf einen Neubau des Fußgängerstegs über die Konrad-Adenauer-Str. zu Gunsten eines ebenerdigen Übergangs zu verzichten.

Der Wunsch nach einem Steg ist verständlich, wenn man vom Reutlinger Status Quo ausgeht, der Auto gerechten Stadt. Im Gemeinderat ist man fraktionsübergreifend einig, dass die Entwicklung zu einer autogerechten Stadt, wie sie überall stattgefunden hat, eine Fehlentwicklung war. Da sind sich auch alle Stadtplaner einig und die Beliebtheit der Städte, die inzwischen diesbezüglich umgesteuert haben und Fußgänger und Fahrradfreundlicher geworden sind, spricht für sich.
Dieser Fußgängerfreundlichkeit folgt auch mehr Sicherheit. In Oslo und Helsinki ist im vergangenen Jahr kein einziger Fußgänger oder Radfahrer ums Leben gekommen.
Als das noch anders war, etwa im Jahr 1964, gab es in Helsinki 84 Todesopfer im Straßenverkehr.

Wir setzen auf mehr Sicherheit durch weniger Autoverkehr. Wir fordern ein Gesamtkonzept
für eine entsprechende Mobilitätswende. Anträge, die dieses Ziel verfolgen haben wir gestellt.

Wir nehmen es nicht hin, dass Fußgänger Verkehrsteilnehmer 2. Klasse bleiben, dass der öffentliche Raum primär für stehende oder fahrende Blechkisten vorgehalten wird.
Wir wollen einen weiteren Ausbau des ÖPNV, der Rad- und Fußwege.
Klar ist, dass dies seine Zeit braucht und das hohe Autoverkehrsaufkommen in der Konrad-Adenauer-Str. nicht von heute auf morgen wesentlich reduziert werden kann.
Deshalb setzen wir auf Maßnahmen, die an dieser Stelle für eine hohe Sicherheit sorgen können:
Die Rechtsabbiegespur in die Alteburgstr. wird beseitigt, um genügend Platz für den ebenerdigen Übergang zu schaffen. Tempo 30 in diesem Abschnitt der B 312.
Der Städte-Fußverkehrs-Check des VCD brachte folgende Erkenntnisse:
„Fußgängerinnen und Fußgänger verunglücken zu über 80 % beim Queren der Straße und das nicht weil sie sich fehl verhalten, sondern aufgrund falscher Abbiegemanöver oder überhöhter Geschwindigkeit von Autofahrern.
Tempo 30 oder verkehrsberuhigte Bereiche, erhöhen die Sicherheit von Kindern nachweislich. Erfolgskontrollen nach der Einführung von Tempo 30 zeigten, dass die Unfälle mit Kindern um 70 % zurückgingen.“

Wir wollen fußgängerfreundliche Ampelschaltung vor allem in den Zeiten hoher Fußgängerzahlen.
Ein Count-down-Anzeige, die die Sekunden bis zum Grün anzeigt wäre ein weiterer Baustein die Sicherheit zu erhöhen.
Der Übergang soll durch eine optisch abgehobene Bepflasterung die Aufmerksamkeit der Autofahrer erhöhen.
Und schließlich schlagen wir vor, in den Zeiten, in denen viele Schüler unterwegs sind, den Einsatz von Schülerlotsen.
Letzteres bietet sich vor allem in der Übergangszeit an, wenn der alte Steg abgerissen wird und der ebenerdige Übergang noch nicht eingerichtet wurde und die Schülerinnen und Schüler die Straße beim GWG-Gebäude überqueren.

Covid-19-Todesrate – Feinstaub und Ammoniak in der Landwirtschaft

Foto: Müller

Unseren Antrag das Ausbringen von Gülle und Gärresten in siedlungsnahen Bereichen zu verbieten, haben wir als Anfrage an den Landkreis gerichtet.
Wissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang zwischen einer möglichen erhöhten Sterblichkeit durch Ammoniakgas.

„Es zeigte sich statistisch signifikant, dass auch nur eine kleine Zunahme der langfristigen Belastung mit PM2.5 um 1 Mikrogramm pro Kubikmeter zu einer großen Zunahme der Covid-19-Todesrate von 15 Prozent führt. Wenn, so führen die Wissenschaftler aus, die langfristige PM2,5-Belastung in Manhattan um ein Mikrogramm pro Kubikmeter (1 μg/m3) gesenkt würde, hätte es bis zum 4. April statt der 1905 Covid-19-Todesfälle 248 weniger gegeben. In einer früheren Studie an über 60 Millionen Amerikanern, die 65 Jahre und älter waren, habe man entsprechend festgestellt, dass 1 μg/m3 mehr an langfristiger PM2,5-Belastung mit einer Zunahme von 0,73 Prozent der Mortalität verbunden ist.

Die langfristige Belastung durch PM2,5-Feinstaub schädigt das Atem- und Kreislaufsystem, was durch viele Studien belegt sei, und kann die Schwere der Covid-19-Symptome sowie das Sterberisiko von Covid-19-Patienten erhöhen. Das zeigt, dass auch Umweltbedingungen die Schwere der Coronavirus-Pandemie beeinflussen. Eine Folge des nachgewiesenen Zusammenhangs müsste sein, dass Landkreise mit erhöhter Feinstaubbelastung auch besser mit Intensivbetten, Schutzkleidung für das Personal und Beatmungsgeräten ausgestattet werden sollten, weil es hier mehr Einweisungen in die Krankenhäuser und mehr Tode geben wird.“ https://www.heise.de/tp/features/Luftverschmutzung-erhoeht-Covid-19-Sterberisiko-4699306.html

„Für Deutschland kam heraus, dass nicht der primäre Feinstaub, sondern der sekundär gebildete Feinstaub die Hauptquelle ist”, sagt Pozzer. Indirekt kommt dadurch der Landwirtschaft eine große Rolle zu. Denn beim Düngen der Felder und in der Viehhaltung wird vielfach Ammoniak freigesetzt. Alleine betrachtet ist dies für die Feinstaubentstehung unproblematisch. Aber in Kombination mit den Gasen Schwefeldioxid und Stickoxid führt es eben genau dazu.

„Wenn wir die Feinstaubbelastung senken wollen, ist die einfachste und effektivste Methode die Reduzierung von Ammoniak in der Landwirtschaft”, sagt Pozzer. Tatsächlich gibt es für Ammoniak, anders als für andere Schadstoffe in der Luft, keine Grenzwerte. „Nach unseren Berechnungen ließen sich in Deutschland mit einer Reduzierung der Emissionen von Ammoniak um 100 Prozent etwa die Hälfte aller durch Feinstaub verursachten Todesfälle verhindern”, erklärt Pozzer. Auch Wichmann-Fiebig sieht die Reduzierung von Ammoniak als einen wichtigen Ansatzpunkt. https://www.die-debatte.org/feinstaub-definition/