Wohnungsnot verschärft sich: deutlicher Anstieg von Betroffenen im Januar

Die Mieten für Wohnungen steigen in Reutlingen seit Jahren immer weiter an. Eine bezahlbare Wohnung zu finden ist demnach nicht einfach. Gerade für Menschen, die für den Mindestlohn arbeiten, um nur ein Beispiel zu nennen. Aber die Wohnungsnot zieht sich bis in die Mittelschicht, so Heike Hein von der Arbeiterwohlfahrt Reutlingen. Mit ihr und Rüdiger Weckmann von den Linken haben wir über das Problem gesprochen und was dagegen getan werden könnte.

Die Wohnungsnot in Reutlingen ist im Stadtbild oft nicht sichtbar. Bei der Arbeiterwohlfahrt Reutlingen allerdings schon. In ihren Fachberatungsstellen betreut sie Menschen, die bei der Wohnungssuche Unterstützung brauchen oder von Wohnungsverlust betroffen sind.

Die Lage hat sich im Januar diesen Jahres noch verschärft. Es gebe einen deutlichen Anstieg in den Beratungsstellen, erzählt Heike Hein, Leiterin des Fachbereichs Wohnungsnotfallhilfe bei der AWO Reutlingen. Den Grund für den Anstieg vermutet sie unter anderem darin, dass Vermieter, die ihre Wohnungen sonst an Studenten vermietet hätten, sie letztes Jahr anderweitig vermietet hätten. Und nun spürten sie den Wunsch, die Wohnungen doch wieder an Studenten zu vermieten, und den bisherigen Mietern zu kündigen.

Von der Wohnungsnot sind laut Heike Hein nicht nur Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Problemen betroffen. Auch Menschen, die ein regelmäßiges Einkommen haben, finden keine bezahlbare Wohnung. Es gibt Familien, die auf engstem Raum leben, sich aber keine größere Wohnung leisten können. Es braucht mehr bezahlbaren Wohnraum, fordert sie deshalb.

Die Linken im Gemeinderat hätten einen Antrag gestellt, dass die Wohnungsgesellschaft Reutlingen den Anteil der Sozialwohnungen bei GWG Neubauten auf 50 Prozent erhöht, so Rüdiger Weckmann von den Linken. Bei der momentanen Mangelverwaltung sollten soziale Träger wie die AWO Zugriff auf Wohnungen bekommen. Derzeit sei es nämlich so, dass Sozialwohnungen über die GWG, die Stadt oder die Immobilienfirmen vermietet würden. Es gebe aber Fachleute, wie die AWO und andere soziale Träger, die mit Menschen in Wohnungsnot arbeiten. Diese Träger sollten Wohnungen mit Vergaberecht bekommen, damit die Mangelverwaltung fachlich gut organisiert werde.

Außerdem fordert er, dass die Anzahl der leerstehenden Wohnungen in der Stadt erfasst wird. Bisher wurde das nur im Bereich der Altstadt getan. Da kam die Zahl 220 heraus. Diese Leerstände sollten vermietet werden. Die Linken hätten deshalb einen Antrag gestellt, dass Eigentümer verpflichtet werden sollten, ihre Wohnungen zu vermieten, wenn diese länger als sechs Monate leer stehen.

Für die Altstadt würde das bedeuten: in eine Wohnung könnten im Schnitt zwei Personen rein. Das heißt, 440 Menschen könnten hier untergebracht werden.

Damit der Anteil an bezahlbaren Wohnungen steigt und die Menschen bei der Wohnungssuche fachlich unterstützt werden, hat Weckmann gemeinsam mit sozialen Trägern ein Bündnis gegründet. Sie möchten nun Druck auf die Politik machen.

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