Kein Steg, aber ein sicherer ebenerdiger Übergang

RÜDIGER WECKMANN

Am 19.05.2020 beschloss der Gemeinderat auf einen Neubau des Fußgängerstegs über die Konrad-Adenauer-Str. zu Gunsten eines ebenerdigen Übergangs zu verzichten.

Der Wunsch nach einem Steg ist verständlich, wenn man vom Reutlinger Status Quo ausgeht, der Auto gerechten Stadt. Im Gemeinderat ist man fraktionsübergreifend einig, dass die Entwicklung zu einer autogerechten Stadt, wie sie überall stattgefunden hat, eine Fehlentwicklung war. Da sind sich auch alle Stadtplaner einig und die Beliebtheit der Städte, die inzwischen diesbezüglich umgesteuert haben und Fußgänger und Fahrradfreundlicher geworden sind, spricht für sich.
Dieser Fußgängerfreundlichkeit folgt auch mehr Sicherheit. In Oslo und Helsinki ist im vergangenen Jahr kein einziger Fußgänger oder Radfahrer ums Leben gekommen.
Als das noch anders war, etwa im Jahr 1964, gab es in Helsinki 84 Todesopfer im Straßenverkehr.

Wir setzen auf mehr Sicherheit durch weniger Autoverkehr. Wir fordern ein Gesamtkonzept
für eine entsprechende Mobilitätswende. Anträge, die dieses Ziel verfolgen haben wir gestellt.

Wir nehmen es nicht hin, dass Fußgänger Verkehrsteilnehmer 2. Klasse bleiben, dass der öffentliche Raum primär für stehende oder fahrende Blechkisten vorgehalten wird.
Wir wollen einen weiteren Ausbau des ÖPNV, der Rad- und Fußwege.
Klar ist, dass dies seine Zeit braucht und das hohe Autoverkehrsaufkommen in der Konrad-Adenauer-Str. nicht von heute auf morgen wesentlich reduziert werden kann.
Deshalb setzen wir auf Maßnahmen, die an dieser Stelle für eine hohe Sicherheit sorgen können:
Die Rechtsabbiegespur in die Alteburgstr. wird beseitigt, um genügend Platz für den ebenerdigen Übergang zu schaffen. Tempo 30 in diesem Abschnitt der B 312.
Der Städte-Fußverkehrs-Check des VCD brachte folgende Erkenntnisse:
„Fußgängerinnen und Fußgänger verunglücken zu über 80 % beim Queren der Straße und das nicht weil sie sich fehl verhalten, sondern aufgrund falscher Abbiegemanöver oder überhöhter Geschwindigkeit von Autofahrern.
Tempo 30 oder verkehrsberuhigte Bereiche, erhöhen die Sicherheit von Kindern nachweislich. Erfolgskontrollen nach der Einführung von Tempo 30 zeigten, dass die Unfälle mit Kindern um 70 % zurückgingen.“

Wir wollen fußgängerfreundliche Ampelschaltung vor allem in den Zeiten hoher Fußgängerzahlen.
Ein Count-down-Anzeige, die die Sekunden bis zum Grün anzeigt wäre ein weiterer Baustein die Sicherheit zu erhöhen.
Der Übergang soll durch eine optisch abgehobene Bepflasterung die Aufmerksamkeit der Autofahrer erhöhen.
Und schließlich schlagen wir vor, in den Zeiten, in denen viele Schüler unterwegs sind, den Einsatz von Schülerlotsen.
Letzteres bietet sich vor allem in der Übergangszeit an, wenn der alte Steg abgerissen wird und der ebenerdige Übergang noch nicht eingerichtet wurde und die Schülerinnen und Schüler die Straße beim GWG-Gebäude überqueren.

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