Gülle-Austrag begrenzen – Rücksichtnahme ist systemrelevant

Unser Vorschlag zum Schutz der Risikogruppen unter der Bevölkerung während der Corona Krise mit dem Ausbringen von Gülle und Gärresten im fußläufig erreichbaren siedlungsnahen Bereich auszusetzen, rief höchst unterschiedliche Reaktionen hervor.
Die Überschrift unseres Antrags hat zu Missverständnissen geführt („Verbot der Ausbringung von Gülle/Gärresten für das gesamte Stadtgebiet Reutlingen“). Im Antragstext haben wir erläutert, dass das Verbot nur für „fußläufig erreichbare Naherholungsgebiete“ gelten soll.
Dies sind meist FFH-Mähwiesen, bei denen die Düngung mit Gärresten nur bei Vorliegen von Untersuchungsergebnissen und nach Rücksprache mit der unteren Landwirtschaftsbehörde erlaubt ist. Die Stadtverwaltung Reutlingen verwies auf die die Zuständigkeit dieser Behörde.

Es gab Landwirte, die uns mitteilten, dass sie ganz ohne Corona-Krise seit Jahren keine Wiesen in der Nähe von Siedlungen mit Gülle düngen. Diese Rücksichtnahme verdient große Hochachtung tun sie doch ganz nebenbei auch etwas für den Artenschutz. Nur wenn unterschiedliche Kräuter, Blumen und Gräser auf den Wiesen wachsen können, gibt es genügend Futter für Insekten und damit auch für Vögel.
Wer jedoch in Kenntnis, dass die Ausbringung von Gärresten über die Luft auch schädliches Ammoniak in die Atmosphäre verteilt, meint jede Wiese müsse gedüngt werden, der sägt am Ast auf dem er sitzt. Mittels viel Düngung möglichst schnell, möglichst viel Gras für die Biogasanlage zu erzeugen, führt dazu, dass das Insektensterben massiv zunimmt und in der Landwirtschaft die Bestäuber fehlen, dies bestätigt die wissenschaftliche Studie des IPBES 2019.

Selbstverständlich ist die Arbeit der Landwirte systemrelevant und muss auch wertgeschätzt werden. Aber Landwirten, die verlangen, die Bevölkerung möge jetzt bitte schön zu Hause bleiben, muss auch gesagt werden: Die gesunde Krankenschwester und ihre Familie, der Busfahrer die Verkäuferin, die Altenpflegerin sind ebenso systemrelevant. Viele haben kein großes Einkommen, wohnen in bezahlbare Wohnungen ohne Garten. Wo sollen sie denn jetzt hin, da alle Spielplätze, Sportplätze und Freizeitanlagen gesperrt sind?

Sie und viele andere aus der Bevölkerung sind nicht krank, sind nicht isoliert, sie haben das Recht sich im Freien zu erholen. Und wohin sollen die gesunden Älteren, die für die Erhaltung ihrer Gesundheit auf den täglichen Spaziergang angewiesen sind?

Naherholungsgebiete am Stadtrand sind kein Luxus, sie sind eine Notwendigkeit. Es sind sehr kleine Gebiete, meist sind es nur einige Wiesen und Streuobstwiesen. Wir rufen zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf.
Jetzt, wo Wiesen und Bäume zu blühen beginnen, ist klar, die Zeit des Betretungsrechts von Kulturland ist vorbei. Spaziergänger müssen auf den Wegen bleiben. Und wenn mehr Landwirte freiwillig darauf verzichten würden, Gülle oder Gärreste auf siedlungsnahen Wiesen auszubringen, wäre das ein systemrelevanter Beitrag für mehr Wertschätzung und Zusammenhalt unter der gesamten Bevölkerung.usammenhalt unter der gesamten Bevölkerung.

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