Reutlingen soll ein „Sicherer Hafen“ werden

Thomas de Marco über einen interfraktionellen Antrag 20.02.2019 – Schwäbisches Tagblatt

Zu den ganz besonderen Vorzügen Reutlingens ist jüngst bei einer Online-Abstimmung die attraktive Lage erklärt worden. Obwohl das Meer oder ein schiffbarer Fluss nicht zu diesen topografischen Vorzügen gehört, soll die Stadt nun Hafen werden. Und zwar ein „Sicherer Hafen“, wie die Gemeinderats-Fraktionen von SPD, Grüne, FDP sowie die beiden Linken beantragen. Die Idee ist zwar nicht neu: Rottenburg ist seit einem Monat ein solcher „Sicherer Hafen“, der sich bereit erklärt, aus dem Mittelmeer Gerettete aufzunehmen. Aber immerhin gibt es in Baden-Württemberg erst vier solcher Städte, bundesweit sind es bisher auch nur 41.

Die Vier, die ihren Antrag gestern bei der Verwaltung eingereicht haben, setzen damit ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen, die sich auf dem Mittelmeer höchster Gefahr aussetzen, mit den Helfern sowie mit den aufnehmenden Städten am Mittelmeer, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Helmut Treutlein. Es sei auch ein Signal gegen die Kriminalisierung der Helferinnen und Helfer sowie gegen immer häufiger zu hörende rassistische Äußerungen, betont Grünen-Fraktionssprecherin Gabriele Janz.

Länder wie Italien und Griechenland seien lange genug alleine gelassen worden mit der Aufnahme von geretteten Flüchtlingen, erklärt FDP-Fraktionssprecher Hagen Kluck. Die Initiative der unterschiedlichen Fraktionen und Gruppierungen im Gemeinderat gehe auf eine Anregung der Rettungsorganisation Sea Watch zurück, sagt Linken-Stadtrat Rüdiger Weckmann.

Wobei sich alle Antragsteller einig sind, dass ein „Sicherer Hafen“ zunächst einmal nur symbolischen Charakter hat. Denn entscheidend ist, wie viele der Geretteten der Bundesinnenminister ins Land lässt, erklärt Kluck. Zudem sei die Stadt formal gar nicht zuständig, sagt Weckmann. „Aber wir wollen Menschlichkeit von unten signalisieren und die Seenotretter unterstützen“, betont Treutlein. „Wir könnten die Menschen aufnehmen, auch wenn es uns fordern würde. Aber wir können es uns leisten.“ Zumal Deutschland in einer Wohlstands-Oase sitze, wie Weckmann sagt.

Doch nur als einen rein symbolischen Akt will Janz den Antrag, den CDU, FWV und WiR nicht unterstützen, auch nicht verstanden wissen. „Wir sollten uns mit den anderen Städten in Deutschland zusammentun. Schließlich unterstützt auch der Deutsche Städtetag diese Aktion.“ So könnte dieser Antrag, der zunächst einmal keinen einzigen Flüchtling zusätzlich nach Reutlingen bringen wird, erst der Anfang einer größeren Aufgabe sein – „einer europäischen Bewegung“, wie Weckmann hofft.

Interfraktioneller-Antrag-Sicherer-Hafen-RT

Bericht RTF1 >>>

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