Thomas Ziegler gibt Mandat ab – Presseberichte

Thomas Ziegler gibt Mandat ab
Von Carola Eissler, Reutlinger Nachrichten

Reutlingen Linke Thomas Ziegler und Rüdiger Weckmann Foto Eissler.jpg

Einer der prägenden Köpfe des Gemeinderats wird im April sein Mandat abgeben. Thomas Ziegler hat gestern die Oberbürgermeisterin über sein geplantes Ausscheiden informiert. Mit 64 Jahren wolle er kürzer treten, sagt der Rechtsanwalt, der seit 35 Jahren in der Achalmstadt Kommunalpolitik betreibt und seit 26 Jahren Mitglied des Gemeinderats ist. Für Schlagzeilen hat Ziegler in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder gesorgt. Zunächst engagierte er sich bei den Grünen und kam 1987 als Nachrücker in den Rat, 1994 wurde er für die Grünen in den Kreistag gewählt und kandidierte ein Jahr später sogar für den OB-Posten gegen den dann gewählten Stefan Schultes.

Wegen der Hartz IV-Gesetze der Schröder/Fischer-Regierung trat Ziegler 2002 bei den Grünen aus, engagierte sich ab 2003 für WiR und baute dann ab 2008 die Linken auf, für die er seit 2009 im Gemeinderat sitzt. Seine eigenen politischen Überzeugungen habe er stets beibehalten, betont Ziegler. Eher habe er einer politischen Gruppierung „den Abschied erklärt, als mich des politischen, beruflichen oder privaten Fortkommens wegen von ihr einbinden zu lassen“. Und Ziegler weiter: „Meine Trennung von den Grünen erfolgte gerade zu jenen Zeiten, als sich dort endlich habhafte Karrierechancen eröffneten.“
Ziegler sagt, er habe keinesfalls vor, sich aus der Kommunalpolitik zurückzuziehen. Es gehe lediglich um eine Reduzierung. Im Kreistag wird der Linken-Politiker Sprecher seiner Fraktion bleiben, zudem will sich Ziegler wie die vergangenen zehn Jahre auch im Linken Arbeitskreis Kommunalpolitik engagieren. Zumal man jetzt, durch die kürzliche Eröffnung des Linken Büros am Karls­platz und den Einzug von Jessica Tatti in den Bundestag, endlich über professionelle Strukturen verfüge, die für eine erfolgreiche politische Arbeit Grundvoraussetzung seien.

In der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 26. April, wird Thomas Ziegler sein Mandat an den Nachrücker übergeben. Wer seinen Platz einnimmt, will die Linke erst nach Ostern publik machen.
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Schwäbisches Tagblatt
THOMAS DE MARCO ÜBER DIE MANDATSAUFGABE VON THOMAS ZIEGLER
Ein streitbarer Linker verlässt den Gemeinderat
Zum Ende seiner Amtszeit als Stadtrat ist Thomas Ziegler von den Linken noch einmal ein Coup gelungen: Selbst die meisten Mitglieder des Gemeinderats wussten nicht, dass der 64-Jährige sein Mandat in der nächsten Sitzung am 26. April übergibt. An wen, sagen die Linken noch nicht – auch das gehört zum Szenario, mit der sie den Abschied von Ziegler zelebrieren.

Mit Ziegler verlässt nach Rainer Buck von den Grünen ein weiterer verdienter und hoch geachteter Gemeinderat dieses Gremium. Rechtsanwalt Ziegler sitzt seit 26 Jahren im Gemeinderat – zunächst für die Grünen, dann für „Wir in Reutlingen“ (WiR) und zuletzt für die Linken. Zwei Gründe haben ihn zur Mandatsübergabe bewogen: Der zeitliche Aufwand sei für ihn als Rechtsanwalt, der seit 1986 seine eigene Kanzlei in Reutlingen hat, zu groß geworden. „Rat in einer Großstadt überschreitet die Anforderungen eines Halbtagsjobs bei weitem“, sagt er.

Außerdem hätten die Linken dank seiner Aufbauarbeit einen Stand erreicht, der eine gesicherte Übergabe erlaube. Sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat sei auch kein Rückzug aus der Kommunalpolitik, betont Ziegler, der vielmehr weiter aktiv bleiben will: im Kreistag, dem er seit 24 Jahren angehört, und im „Linken Arbeitskreis Kommunalpolitik“.

Zu den großen Verdiensten Zieglers gehört zweifellos der Einsatz gegen das überdimensionierte Kultur- und Kongresszentrum, das letztlich auch von zwei Dritteln der Bevölkerung abgelehnt wurde. „Da ziehe ich noch immer den Hut vor der Bürgerschaft“, sagt Ziegler. Als er sich dann allerdings für das abgespeckte Nachfolgeprojekt Stadthalle mit Architekt Max Dudler auf die Suche nach einer Farbe für die Fassade machte, erlebte er, wie ein Gemeinderat falsch liegen kann: „Wir haben uns für das Braun entschieden – als ich das dann aber an der Fassade sah, bin ich erschrocken“, erinnert sich Ziegler. „Nicht alles, was man als Stadtrat befürwortet, stellt sich hinterher auch als gut heraus“, lautet seine Erkenntnis.

Wenn er sein Mandat am 26. April abgibt, dann geht auch ein profilierter und streitbarer Kritiker von OB Barbara Bosch. Dies hat er das Stadtoberhaupt in der Sitzung am vergangenen Donnerstag noch einmal spüren lassen, als er Bosch vorwarf, dem Regierungspräsidium Tübingen eine andere als die vom Gemeinderat beschlossene Stellungnahme zum Luftreinhalteplan geschickt zu haben. Da lieferten sich beide ein Wortgefecht. Wenige Stunden später informierte Ziegler die OB schriftlich von seinem bevorstehenden Mandatsverzicht. „Ich bin schon auch stolz auf die Wertschätzung, die man als Stadtrat erfährt, wenn man durch Reutlingen läuft“, sagte er gestern bei der Ankündigung seines Ausscheidens aus dem Gremium.

 

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