In einem ehemaligen Mannschaftsgebäude wird Platz für 65 Flüchtlinge geschaffen

Schwäbisches Tagblatt 30.04.2015
Nach zwei Jahren in einer Sammelunterkunft haben Flüchtlinge das Recht, sich auf dem freien Markt eine Wohnung zu suchen. Weil es die nicht gibt, baut die Stadt nun ein Gebäude der Ypern-Kaserne um.
USCHI KURZ
Reutlingen.Auch Reutlingen verzeichne derzeit eine hohe Steigerungsrate von Flüchtlingen vor allem aus Syrien und dem Irak, erläuterte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch am Dienstag im Gemeinderat. Bei diesen Menschen sei die Anerkennungsquote hoch, „sie werden hier bleiben“. Im laufenden Jahr müssten mindestens 160 Flüchtlinge untergebracht werden, in den nächsten Jahren würden es voraussichtlich noch deutlich mehr. Weil der Suchlauf bei privaten Vermietern nahezu erfolglos war, müsse man rasch Handeln und zusätzlichen Wohnraum schaffen, so die OB. Der Vorschlag der Verwaltung: Das erste und zweite Obergeschosses der ehemaligen Ypern-Kaserne (Gebäude 40), in dem der Landkreis im Erdgeschoss bereits Flüchtlinge untergebracht hat, so umzubauen, dass dort 65 Menschen wohnen können. „Das ist eine Zwischenlösung, weil es uns nicht gelingt, diese Menschen gleich unterzubringen“, so Bosch. Es gehe hier nicht nur um ein Dach über dem Kopf, sondern auch um Integration.

Genau das, argumentierten Ramazan Selcuk (SPD), Njeri Kinyanyui (Grüne) und Jessica Tatti (Linke), sei in Zwei- bis Dreibettzimmern schier unmöglich. Die Menschen bräuchten Rückzugsmöglichkeiten, um Deutsch zu lernen. Auch hätten sie, wenn überhaupt, Jobs mit Arbeitszeiten, die nicht für ein so enges Zusammenleben geeignet wären. Konflikte seien da programmiert, warnte Kinyanyui vor einem zusätzlichen Betreuungsaufwand, der mit der Gemeinschaftsunterbringung einhergehe. Ihre Fraktion beantragte deshalb, die Mehrbettzimmer zu unterteilen, damit die Bewohner mehr Privatsphäre bekämen. Vergeblich.

Tatti verwies auf einen entsprechenden Antrag der Linken und wollte wissen, wieso man nicht zwei weitere leer stehende Mannschaftsgebäude in die Planung mit einbeziehe. Das, antwortete die OB, sei noch nicht geprüft, weil der Antrag erst kurz vor der Sitzung eingegangen sei. Letztlich, so die Argumente der Verwaltung und der Konservativen, gehe es um die Vermeidung von Obdachlosigkeit. CDU-Stadtrat Andreas vom Scheidt brachte es auf den Punkt: „Turnhallen wollen wir nicht.“

„Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, warb auch Sozialbürgermeister Robert Hahn eindringlich um Zustimmung für das Projekt, das eine „wohnheimähnliche Nutzung“ (Gebäudemanager Peter Geier) erhalten soll. Die bekam er dann auch. Nur neun Linke und Grünen-Rät/innen stimmten dagegen. Ehrenamtliche Helfer vom Asylkreis, die auf den Rängen bis kurz vor 24 Uhr ausgeharrt hatten, reagierten enttäuscht.

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